Der „Magische Flug“

 

Der Magische Flug erinnert sofort an den Hexenflug. In der Walpurgisnacht sollen Hexen auf  Besen zum Blocksberg geflogen sein, um  mit dem Teufel zu tanzen. (Das mit dem Teufel ist wohl der Inquisition geschuldet.) Plausibler ist die Verwendung sogenannter Hexensalbe, einer Mischung verschiedener einheimischer Drogen. Man denke nur an Bilsenkraut und den, bei den Berserkern so beliebten, Fliegenpilz.

*Haga|zussa = Hexe. Haga ist verwandt mit Hagen, Gehege, hegen, also Zaun. zussa verwandt mit dem zossen = Reitgaul, Reitpferd. Hexe bedeutet demnach Zaunreiterin (alternative Deutungen).  Mit einem Bein in der Kulturwelt, dem bewussten Alltagsleben, und mit dem anderen Bein im nicht kultivierten, wilden, auch unbewussten Teil des Lebens.

Der Magisch Flug, als psychisches Ereignis, widerspricht keinem physikalischen Gesetz, der Hexenflug auf dem Besen hingegen schon. Fall- oder Flugträume sind nicht so häufig, aber viele Menschen haben sie schon erlebt. Das Gefühl des Fallens bzw. Fliegens ist wahrscheinlich natürlicherweise im Menschen angelegt.  Das intensive Gefühl des Fliegens kann durch Hypnose oder Imagination hervorgerufen werden. Manche Psychoanalytiker sehen im Flugtraum einen sexuellen Inhalt. Weder ich, noch die Leute mit denen wir solche Hypnosen durchgeführt haben, können das bestätigen. Diese Fehleinschätzung mag darauf zurückzuführen sein, daß dieses Flugerlebnis nach einem intensiven Orgasmus gelegentlich spontan auftritt. Da ein intensiv erlebter Orgasmus eine tiefe Entspannung mit starkem Wohlgefühl hervorrufen kann, ähnlich einer Hypnose, ist vieles möglich, was sonst nur mit Hypnose oder Meditation erreichbar ist.

Der „Magisch Flug“ wird postorgastisch so selten erlebt, weil er so unbekannt ist, und niemand einem gesagt hat, wie man damit umgeht. Das Folgende gilt für den orgastisch induzierten Magischen Flug, als auch für den hypnotisch induzierten Magischen Flug. Das erste Anzeichen eines aufkommenden Magischen Flugs ist ein leichtes bis mittleres Schwindelgefühl. Wenn dieses Gefühl sofort unterdrückt wird, dann war´s das mit dem Flugerlebnis.

Was geschieht, wenn man das Schwindelgefühl zuläßt?

Ein wenig Theorie ist nötig. Das zentrale Thema beim Magischen Flug ist Synästhesie. Synästhesie bedeutet zusammen empfinden. Wenn Ihr jetzt „Synästhesie“ googled hängt Ihr ganz schnell am Fliegenfänger. Synästhesie wird meist als Ausnahme oder sogar krankhaft dargestellt. Synästhesie ist der Normalfall. Allein schon unsere Sprache macht das klar. Z.B. ein warmes Rot; kaltes Blau; harte Rockmusik; weiche Töne; bittere Erfahrung; ein süßes Baby …………, usw. . Man kann z. B. in einigen Trancen Gefühle auch sehen.

Wenn man das Schwindelgefühl bei geschlossenen Augen ein paar Sekunden zuläßt, tauchen Bilder, Gefühle und Gedanken auf. Schaut die Bilder an, laßt sie hochkommen,  vorbeiziehen, und neue Bilder kommen. Versucht auf keinen Fall sie festzuhalten, laßt sie fliegen.  Kommen Gefühle, dann schaut sie an, fühlt sie und laßt sie vorbeiziehen, und neue Gefühle kommen. Kommen Gedanken, dann schaut sie an, fühlt sie, laßt sie vorbeiziehen, und neue Gedanken kommen. Und plötzlich wird klar, ich bewege mich durch diese Welt der Bilder, Gefühle und Gedanken. Ich fliege. Das Gefühl des Fliegens setzt spontan,  plötzlich ein. Meistens werden dann Landschaften überflogen. Wichtig ist es, die analytischen, sezierenden Ambitionen des Bewußtseins für ein paar Minuten in Urlaub zu schicken. Hier geht es um Betrachtung und Synthese. Im „Magischen Flug“ wird in einem Wachzustand Unbewußtes erlebt. Mit einem Bein im geordneten, bewußten Teil des Lebens, mit dem anderen Bein im wilden Unbewußten, ähnlich der *Haga|zussa = Hexe.